Nicht nur als Turnerin oder Turner steht man direkt im Wettkampfgeschehen. Bei jedem Wettkampf gibt es auch eine Hand voll Personen, die neben den Turnern für den Ausgang eines Wettkampfes notwendig sind. So auch bei den Hessischen Msisterschaften im Rhönradturnen 2005 in Sprendlingen. Denn wie wäre ohne Kampfrichter ermittelt worden, dass Nadine Burkhardt, Laura Stullich und Jonas Litzki und Leonie Neff die frisch gebackenen Hessischen Meister des Jahres 2005 im Rhönradturnen sind?
Ein Tag als Kampfrichter ist ebenso anstrengend, wie aufregend und spannend. Denn auch wenn man als Kampfrichter nicht direkt dabei ist, so ist man mitten drin im Wettkampfgeschehen. In der Disziplin Spirale ist man sogar ein bisschen der Radbeherrschung des Turners ausgeliefert. Es galt sowohl Pflicht- als auch Kürübung zu bewerten. An einer der vier Ecken der Wettkampffläche positioniert hofft man als Ausführungskampfrichter dass der Turner sein Rad auf einem Reifen turnend unter Kontrolle behält. Der Puls erhöht sich schnell, wenn ein Turner mit seinem Turngerät auf einen zugesteuert kommt. Es kommt sogar vor, dass man mit sich mit samt seinem Stuhl in Sicherheit bringen muss.
Ein bisschen beruhigender waren danach die Pflichtübungen der Schüler und Jugend im Geradeturnen bevor die Erwachsenen in der Königklasse, der L10, ihre Schwierigkeitskür präsentierten. Hierbei ist jede Übung ein wahres Gewitter aus Elementen der höchsten Schwierigkeitskategorien und somit enorme Konzentration sowohl von Turnern als auch Kampfrichtern gefordert.
Während einer kurzen Mittagspause, die Gelegenheit zum Luft schnappen und Essen bot, gab es auch die Möglichkeit sich einmal das Wettkampfgeschehen im zweiten Kampfgericht anzusehen. Dieses bewertete die Rahmenwettkämpfe in der Landesklasse. Hier siegten Anton Pravetz, Alina Karger und Katharina Arnold.
Nach der Pause folgte eine der größten Herausforderungen an einen Kampfrichter. Der Sprung. Auf internationaler Ebene für beide Geschlechter Pflicht, so ist es auf den Hessischen Meisterschaften bisher noch den männlichen Teilnehmern vorbehalten. Keine Disziplin ist so schnell vorbei wie diese. Einen der spektakulärsten Sprünge zeigte Julius Petri zur Bewertung: Der Oberkampfrichter sagt einen Auerbach-Salto an. Petri setzt das Rad in Bewegung, läuft an, springt ab, steht kurz oben auf dem Rad in weit über zwei Meter Höhe, führt die Salto-Bewegung aus und landet auf der Matte. Dies alles in Bruchteilen von Sekunden geschehen ist es nun die Aufgabe der Kampfrichter Fehler im Gedächtnis zu rekapitulieren. Viel gab es nicht zu entdecken. So bekam er für seine Leistung eine hohe Wertung. Ein Grund dafür dass Petri insgesamt die Konkurrenz der Männer gewann, doch da nur zwei Teilnehmer am Start waren, wurde kein Titel vergeben.
Nach einigen Stunden auf dem Kampfrichterstuhl war man froh als zur letzten Disziplin, der Kür auf Musik aufgerufen wurde. Der Wettkampf in der Landesklasse war bereits beendet. Somit galt die gesamte Aufmerksamkeit der Zuschauer allein den Turnerinnen und Turnern der L10, die zum Abschluss des Wettkampfs eine Choreografie auf Musik zeigten. Vor allem bei den Frauen lag Spannung in der Luft, denn die bisherigen Wertungen verrieten, dass sowohl Kira Schneggenburger, als auch die bisher führende Nadine Burkhardt eine Chance auf den Titel hatten. Kira Schneggenburgen zeigte eine gelungene Übung. Danach betrat Nadine Burkhart als letzte Turnerin des Tages die Wettkampffläche. Auch sie bot dem Publikum und Kampfrichtern eine bezaubernde Leistung, jedoch musste man sich als Kampfrichter ehr auf die Bewertung konzentrieren. Vor allem in dieser entscheidenden Phase des Wettkampfs galt die volle Konzentration. Die Spannung stieg, denn die beiden Wertungen für die Ausführung lagen zu weit auseinander. Nach einer erforderlichen Kampfrichterbesprechnung konnte die Endwertung bekannt gegeben werden. Nadine Burkhardt behielt die Führung und gewann, wie auch Leonie Neff in der Schülerklasse und Laura Stullich und Jonas Litzki in der Jugendklasse, die Hessische Meisterschaft der Erwachsenen.